Wie Du durch Vergebung Deine Wunden heilst und die Vergangenheit loslässt

Vergebung wird zu einem starken Verbündeten, wenn wir sie zulassen. Denn sie hilft uns, alten Ballast abzuwerfen, die Vergangenheit loszulassen, zu heilen und uns auf unsere Gegenwart und Zukunft zu konzentrieren.

Heute möchte ich mit Dir über etwas sprechen, was für mich ein totaler Gamechanger in meinem Leben war, worauf ich allerdings 39 Jahre warten mußte, weil ich dafür einfach nicht offen war. Mein Leben wäre sicherlich um einiges friedlicher verlaufen, wenn ich schon viel früher gewußt hätte, was ich heute weiß. Es geht nämlich heute um die Macht der Vergebung und damit auch um die Fähigkeit, Dinge loslassen zu können, die wir als Ballast ständig mit uns herumschleppen. Und es geht auch darum, Ereignisse in einem anderen Kontext zu sehen. Denn dabei hilft uns die Vergebung ebenfalls. Und wie sehr uns das sogar in großen Lebenskrisen helfen kann, erzähle ich Dir in dieser Episode, in der ich mit Dir eine sehr persönliche Geschichte teile, die mich vor einigen Jahren in eine schwere Krise gestürzt und mein Leben völlig verändert hat.

Falls es in Deinem Leben auch Dinge gibt, die schwere Krisen ausgelöst haben oder bei denen Du Dich bis heute fragst, wie Du damit fertig werden sollst, dann hör Dir diese Episode an.

Womit ich früher Vergebung immer assoziiert habe

Früher, wenn von Vergebung die Rede war, habe ich das eigentlich immer mit Religion, schnulzigen Filmen und der katholischen Kirche verbunden. Mit anderen Worten: Das Wort Vergebung löste in mir eher ablehnende Assoziationen aus. Deshalb war ich auch lange Zeit nicht besonders aufgeschlossen, was das Thema angeht. Zumal ich damals ein ziemlich nachtragender Mensch mit einem Elefantengedächtnis war – total ätzend und belastend. Aber das war mir nie klar.

Ganz im Gegenteil, ich habe mich geradezu darin gesuhlt, darüber nachzudenken oder zu sprechen, wie schlecht ich von irgendjemandem behandelt worden war, was das für ne Ungerechtigkeit ist und warum immer alle nur auf mir herumhacken würden. Ich konnte mich dabei so schön in Rage reden, dass ich mich ganz schnell auf einem regelrechten Highway to hell befand. Und war ich erstmal drauf, war ich nicht mehr zu stoppen. Und das endete des öfteren in Heulkrämpfen oder manchmal tatsächlich auch in zerstörter Inneneinrichtung.

Ich habe immer gedacht, dass es mich weiterbringen würde, wenn ich darüber sprechen und auf diese Weise meinem Ärger Luft machen würde. Aber dabei habe ich was ganz Wesentliches übersehen: Wenn Du immer wieder über Dein Problem sprichst, dann fokussierst Du Dich auf dieses Problem, nicht auf die Lösung. Dann richtest Du Deine ganze Aufmerksamkeit darauf, dass Du das arme Opfer bist, dass Du ungerecht behandelt worden bist.

Mit anderen Worten: Alle anderen sind schuld, Deine Kollegen, die Freunde, die Familie , der Job, das Leben – nur Du nicht. Aber so ist es ja nicht im Leben. So schwarz – weiß ist es nie. Und wenn Du diese Einstellung hast, dass Du immer das arme Opfer bist und nur Dir all diese Sachen widerfahren, dann klingt das ganz danach, als ob Du die Verantwortung für Dein Leben abgegeben hast. Denn: es liegt ganz bei Dir, wie Du mit deinen Erfahrungen und Erlebnissen umgehst.

Was mich in eine schwere Lebenskrise stürzte

Ich möchte Dir dazu ein wenig von mir erzählen. Wenn Du mir schon etwas länger folgst, dann weißt Du vielleicht, dass ich im Alter von 19 Jahren meine über alles geliebte Mutter durch einen plötzlichen Herztod verloren habe. Für mich brach damals eine Welt zusammen. Ich war zu dem Zeitpunkt grad erst von Zuhause ausgezogen, lebte in einer Stadt weit entfernt von meiner Familie und meinen Freunden, hatte Schwierigkeiten, in das Studium hineinzufinden und fühlte mich unfaßbar einsam. Ich werde nie den Abend vergessen, als das Telefon klingelte und mein Vater dran war. Es war ein Montag Abend Ende November. Draußen regnete es, es war schon dunkel und die feuchte Kälte kroch einem überall hinein. Ich war gedanklich mit den anstehenden Prüfungen beschäftigt als ich den Hörer aufnahm. Die Stimme meines Vaters klang anders als sonst. Und ich merkte gleich, dass irgendetwas, nicht in Ordnung war. Ich fragte ihn, was los sei. Er sagte nur: Thea: Die Mami ist tot. Ich konnte in dem Moment nichts anderes als schreien. Sowas kannte ich vorher eigentlich nur aus Filmen, dass jemand eine schlimme Nachricht erhält und dann losschreit. Ich fand sowas immer total übertrieben und künstlich. Aber in diesem Moment, als es mir selbst passierte, konnte ich selbst nichts anderes tun als zu schreiben. Ich hatte so viele Fragen an meinen Vater und wäre so froh gewesen, wenn er noch ein wenig mehr Zeit für mich gehabt hätte. Aber er verabschiedete sich schnell mit der Begründung, er müsse ja auch noch die anderen Schwestern informieren. Und legte auf. Zurück blieb ich, zusammengekauert, an die kalte Wand unserer WG gelehnt und völlig durcheinander.

Die Wochen und Monate danach durchlebte ich wie in Trance. Einerseits hatte ich die Pflichten auf dem Unicampus zu erfüllen – denn: glaub man ja nicht, dass es irgendjemanden interessiert hätte, ob Du grad Deine Mutter verloren hast. Die Prüfungen fanden trotzdem statt. Da wurde keine Ausnahme gemacht oder verschoben. Es hieß nur: Ja, wenn Sie zur Beerdigung fahren, bleiben Sie lieber nicht zu lange weg, sonst verpassen Sie den Anschluß und dann dürfen Sie das komplette Jahr wiederholen.

Ich fand auch die Reaktion meiner Professoren unmenschlich und fies. Und zu allem Übel war es leider auch noch so, dass ich keine Unterstützung von meiner eigenen Familie bekam. Auf der Beerdigung meiner Mutter lief ich ganz allein hinter dem Trauerzug her. Da war keiner, der meine Hand nahm. Als die anderen hinterher beim Kaffee zusammensaßen, saß ich draußen, rauchte eine Zigarette nach der anderen und starrte ins Leere. Für mich war das Leben vorbei.

Mein Leben war vorbei

In den Wochen danach verhielt ich mich sehr untypisch. War ich vorher immer die Musterschülerin gewesen, brav, angepasst und anständig. So testete ich jetzt systematisch Grenzen aus. Ich trank zu oft und zuviel Alkohol, randalierte unter Alkoholeinfluß, so dass mich einmal fast die Polizei mitnahm, rauchte wie ein Schlot und begab mich in sehr gefährliche Situationen. Warum? Wahrscheinlich weil ich Todessehnsucht hatte. Ich wollte dem Schicksal wohl ein wenig nachhelfen, weil ich den Schmerz nicht länger ertragen konnte.

Ich war voller Wut auf Gott und die Welt und fragte die ganze Zeit, warum passiert das mir? Was hab ich bloß verbrochen? War ich nicht immer brav gewesen? Warum meine Mutter? Die sich ihr ganzes Leben lang abgerackert hat. Sie hätte es so verdient gehabt zu leben und jetzt ihr Leben zu genießen, wo alle Kinder aus dem Haus waren. Und mein Vater! Warum kümmert er sich nicht um mich? Wieso besucht er mich nie? Warum läßt er mich so schrecklich im Stich? An so etwas wie Vergebung konnte ich dabei nicht denken.

Selbstmitleid war meine Droge

Dieses Selbstmitleid ging eine ganze Zeit. Ich war voller Vorwürfe mir selbst und allen anderen gegenüber, war voller Selbsthaß und selbstmordgefährdet. Das kann man wohl nicht anders sagen. Als ich meinem Vater einmal sagte, dass ich nicht wüßte, wie ich das Studium schaffen sollte, weil das Pensum so immens war, meinte er nur ganz lapidar: Naja, wenn das alles zu schwer für Dich ist, dann mach doch ne Bäckerlehre.

Wow! Ja, ich würd sagen, da hatte jemand gaaanz viel Empathie. Aber: das war für mich genau der richtige Arschtritt. Denn in dem Moment dachte ich: Du Penner! Was fällt Dir ein? Dir werd ichs zeigen. Und diese Wut verwendete ich tatsächlich darauf, die Situation in meinem Studium zu ändern. Denn die Studienverhältnisse waren wirklich unerträglich. Und zwar waren sie so schrecklich, dass es 2 Semester später eine regelrechte Revolte unter den Studenten gab, in die sogar die Eltern involviert waren. Und erst danach änderte sich so einiges an der Uni.

Aber da war ich schon lange weg, denn ich kümmerte mich um einen Studienplatzwechsel und studierte in einer anderen Stadt weiter – und diesmal unter ganz anderen Umständen. Ich hatte zwar durch den Wechsel extrem viel zu tun, weil das Curriculum in der neuen Stadt ganz anders war als an meinem bisherigen Studienort und ich dadurch jeden Tag bis 3 Uhr nachts am Lernen und Arbeiten und jeden Morgen um 8 wieder in der Uni war. Aber ich wollte kein Semester extra machen und: ich wollte es ja meinem Vater beweisen. Tja. Also Selbst gewählt. Unbewußt hatte mein Vater also genau das Richtige zu mir gesagt, um mich anzuspornen und mich aus meiner Lethargie herauszuholen – wofür ich ihm erst sehr viel später dankbar war. In dem Moment, als er es zu mir sagte, war ich eigentlich nur sauer auf ihn.

Der Perspektivwechsel

Aber in dieser Zeit passierte noch etwas: Ich weiß nicht, ob es an dem Ortswechsel lag oder daran, dass einfach Zeit verstrichen war. Aber ich erlebte in der Zeit auch einen Perspektivwechsel und zwar in Bezug auf den Tod meiner Mutter. Hatte ich mich vorher immer gefragt, warum das ausgerechnet mir passierte und mir darüber hinaus schreckliche Vorwürfe machte wegen all der Dinge, die ich meiner Mutter nicht mehr hatte sagen können. So änderte ich eines Tages wie aus heiterem Himmel meine Sicht auf die Situation. Von diesem „Ich bin das arme Opfer!“ hin zu „was würde eigentlich meine Mutter zu all dem sagen? Und Wenn sie sich noch äußern könnte, war es diese Art von Tod, den sie sterben wollte?

Das sind vielleicht jetzt etwas komische Fragen, aber genau die sind mir damals in den Kopf gekommen. Und haben für mich alles verändert. Denn: Mir wurde dabei folgendes klar: Egal, wie oft ich meiner Mutter noch hätte sagen können, dass ich sie liebe…sie wußte es. Sie wußte, dass ich sie liebe und sie liebte ihre Kinder über alles, also liebte sie auch mich. Mit all meinen Fehlern und Unzulänglichkeiten. Eine Mutter liebt ihre Kinder und sieht nur das Gute an ihnen. Das habe ich aber auch erst sehr viel später verstanden, als ich selbst Mutter wurde. Und was den Tod meiner Mutter angeht: Sie ist so gestorben, wie sie immer sterben wollte: selbstbestimmt, schmerzfrei, glücklich. Sie wollte nie pflegebedürftig und von anderen Menschen abhängig sein. Als sie starb, war sie körperlich fit. Und der Zeitpunkt war – auch wenn das jetzt komisch klingen mag – ebenfalls eigentlich perfekt, denn in den Jahren zuvor war es nie so harmonisch und vollkommen in unserer Familie gewesen wie zu der Zeit, als sie von uns ging. Erst kurz zuvor hatte sich meine Schwester wieder mit unseren Eltern ausgesöhnt. Meine Mutter hatte zum ersten Mal ihre Enkelchen gesehen und sich über die Maßen gefreut. Alle ihre Kinder standen im Beruf oder befanden sich so wie ich im Studium oder der Ausbildung. Für einen kurzen Moment schien also alles perfekt zu sein. Und es war, wie wenn eine höhere Macht gesagt hätte: Hey, verlass die Party, wenn sie am schönsten ist. Und so ging meine Mutter tatsächlich in einem für sie perfekten Augenblick und so würdevoll, wie sie es sich immer gewünscht hatte. Und es muss alles sehr schnell gegangen sein. So dass sie keine Schmerzen hatte und vermutlich noch nicht einmal gemerkt hat, was los war. Ein gnadenvoller Tod. Ich habe im Laufe meines Berufslebens so viele Menschen sterben sehen, die nicht das Glück hatten, zuhause sein zu dürfen, als es passierte. Die unter großen Schmerzen starben, dahinsiechend – oder nach ihrer Familie schrien, weil niemand von ihren Angehörigen in der Stunde ihres Todes für sie da war. Wie furchtbar!

Natürlich war es viel zu früh, als meine Mutter ging. 59 Jahre ist kein Alter. Aber ich denke, egal wie alt die eigenen Eltern werden, es ist immer zu früh. Und Du selbst bleibst immer das Kind. Als Ärztin habe ich gestandene Männer von 60 Jahren zusammenbrechen sehen, als sie vom Tod des 95 Jährigen Vaters erfuhren. Das Alter spielt hier wirklich keine Rolle Und eigentlich muss ich auch sagen: Wie wunderschön, wenn wir auch in diesem Alter noch eine so innige und liebevolle Beziehung zu unseren Eltern haben, dass es uns das Herz bricht, wenn sie uns verlassen.

Ich bin so froh und dankbar, dass mir dieser Perspektivwechsel geschenkt wurde. Ich weiß sonst nicht, wie ich den Verlust hätte verkraften sollen. Zumal ich ja eben auch keine wirkliche Unterstützung durch meinen Vater oder meine Geschwister hatte. Ich stand ganz alleine da. Und auch damit habe ich lange gehadert. Ich habe ihnen Vorwürfe gemacht und darauf gewartet, dass sie mir helfen, für mich da sind, mich besuchen, mich unterstützen. Und dann war ich enttäuscht, dass niemand kam. Ich habe mich die ganze Zeit als das arme Opfer gesehen. Rückblickend kann ich verstehen, dass ich so gedacht habe. Es ist natürlich sehr bequem, alle anderen für das eigene Leid verantwortlich zu machen, sich in seinem Schmerz zu suhlen und seinem Haß und seiner Wut auf alles und jeden freien Lauf zu lassen. Es ist wie der dunkle Weg der Macht, wenn man so will. Er ist einfach, weil Du Dich ganz Deinen Vorwürfen hingeben kannst. Du projizierst alles ins Außen, und mußt Dich dann praktischerweise nicht mit Dir selbst beschäftigen. Allerdings übersah ich dabei, wie mich diese negative Energie langsam aber sicher von Innen heraus auffraß, sich immer mehr auch auf anderen Lebensbereiche ausdehnte und mir meine Lebensenergie raubte. Ich hatte Probleme auf der Arbeit, in meiner Beziehung, mit meinen Finanzen, meiner Gesundheit und verkrachte mich aufs Übelste mit meinem Vater. Das war so schlimm, dass wir ein Jahr lang kein Wort miteinander sprachen. Viele Menschen haben damals versucht, auf mich einzuwirken, damit ich einlenke und mich wieder mit ihm vertrage. Aber ich war so voller Wut und Ablehnung, dass dafür absolut keine Chance war. Das wäre sicherlich auch ewig so weitergegangen, wenn ich nicht irgendwann angefangen hätte, mich mit meinen Lebensthemen näher zu beschäftigen. Und eines Tages stieß ich auf etwas, das für mich ein totaler Gamechanger war. Wenn ich drei Sachen nennen dürfte, die mein Leben in den letzten Jahren am massivsten beeinflußt haben, dann wäre das eins davon. Und ich spreche hier von der Macht der Vergebung.

Warum Vergebung so wichtig ist

Ich bin zwar als Christin aufgewachsen und erzogen worden, und gerade im Christentum spielt die Vergebung ja eine große Rolle. Aber warum Vergebung so wichtig ist und welchen Einfluß sie auf uns und unser Leben hat, das habe ich tatsächlich erst in den letzten Jahren wirklich kapiert. Ich muß auch sagen, ich fand das ganze Vergebungs-blabla in der Bibel immer ziemlich weit hergeholt. Wie sollte ich denn bitte jemandem vergeben können, der sich mir gegenüber richtig übel benimmt? Und warum sollte ich das tun? Damit derjenige weitermachen kann und sich einen weglacht? Auf keinen Fall!

Tja, und so war das eben auch mit meinem Vater. Es hatte einige Situationen gegeben, die mich aber wirklich aus den Socken geschossen haben. Und die ich nicht ignorieren konnte. An Vergebung war hier auch nicht zu denken. Aber was ich dabei nicht sah war etwas, was Buddha einmal gesagt haben soll, nämlich: „Wut festzuhalten, ist wie Gift zu trinken und darauf zu warten, dass der andere stirbt.“ Es nützt Dir ja nichts, wenn Du ewig wütend auf den andern bist. Es zerstört Dich nur selbst. Du wirst krank. Und so war es auch bei mir. Auch ich wurde krank. Ich bekam erhebliche gesundheitliche Probleme und kapierte einfach nicht, woher es kam. Dabei war es meine innere Diva, die Alarm schlug und die Nase voll hatte von dem ganzen Mist, dem ganzen Gift, nämlich der Wut. Und das einzige Heilmittel war: Vergebung.

Wie die Vergebung mir half, mich selbst zu heilen

Als ich mich dann näher mit der Vergebungsarbeit beschäftigte, gingen mir ganze Flutlichter auf. Ich begann zu begreifen, warum mein Vater so gehandelt hatte, was ihn überhaupt zu dem Menschen gemacht hatte, der er geworden war und fing an, meinen Fokus immer mehr auf das Gute in ihm zu richten. Ich kapierte, dass er für sein Verhalten eigentlich gar nichts konnte, da er so stark durch seine Kindheit bzw. sein Elternhaus geprägt worden war. Liebe hatte er nur dann erhalten, wenn er Leistung brachte, seine Mutter hatte bei sechs Kindern und einem riesen Haushalt nur wenig Zeit für ihn und die ersten 15 Jahre seines Lebens waren stark durch die entbehrungsreiche Nachkriegszeit geprägt.

Aber ich verstand plötzlich auch noch etwas anderes: Auch wenn diese Zeit damals extrem hart war, ich mich unendlich einsam gefühlt hab und mit allem allein dastand, so muß ich doch zugeben, dass besonders diese Zeit mich zu dem Menschen gemacht hat, der ich heute bin. Denn als ich von Zuhause auszog war ich ein verhätscheltes und total verzogenes Gör. Ich glaubte, es könnte alles und wüßte vor allem alles besser.

Wenn ich heute meinem 18 jährigen Ich begegnen würde, ich würd entweder sofort Reiß aus nehmen oder ihr mal gehörig die Meinung geigen. Naja, das Geigen hat dann ja das Leben übernommen. Und wie schrecklich es auch war. Rückblickend bin ich wirklich dankbar dafür. Denn ich wäre nicht da wo ich jetzt bin, wenn ich nicht durch diese Hölle gegangen wäre. Letztlich war es alles gut so, wie es passiert ist, denn dadurch wurde ich erwachsen. Wurde ich zu einem selbständigen, fürsorglichen und verantwortungsbewußten Menschen.

Diese Erlebnisse haben mir später in meinem Beruf übrigens sehr geholfen. Denn wirkliche Empathie, ob jetzt für unheilbar kranke Patienten oder Menschen, die gerade ihren geliebten Angehörigen verloren hatten. Diese tiefe Empathie kannst Du nur empfinden und entwickeln, wenn Du selber weißt, wie sich das anfühlt. Und deshalb bin ich auch meinem Vater so dankbar. Er hat sich unbewußt genau richtig verhalten. Er hat mich nicht länger in Watte gepackt und mich bemitleidet, sondern mir ganz liebevoll nen kalten Lappen ins Gesicht geklatscht und mich dadurch endlich aufgeweckt. Und das hat mich gerettet.

Als ich das alles erkannte, war ich endlich in der Lage, ihm zu verzeihen, ihm zu vergeben und damit den ganzen Ballast loszulassen. Und als ich an diesem Punkt war, fiel auf einmal ein Felsbrocken von mir ab, der vorher so tonnenschwer auf mir gelastet hatte. Ich fühlte mich auf einmal so leicht, so unbeschwert, konnte endlich wieder richtig durchatmen. Es war wie neugeboren zu werden. Und…was besonders faszinierend war: zeitgleich lösten sich auch meine gesundheitlichen Beschwerden in Luft auf. Binnen einer Woche war alles weg, was mir vorher noch große Probleme bereitet hatte. Da habe ich zum ersten Mal verstanden, wie machtvoll Vergebung und Vergebungssarbeit ist.

Wie Ho-oponopono Dir hilft, Dir selbst und anderen zu vergeben

Als ich mich damals damit auseinandersetzte, was mir in diesem Prozeß helfen könnte, stieß ich auf das alte hawaiianische Vergebungs-Ritual Ho-oponopono, das mich sehr beeindruckt hat. Dabei handelt es sich um ein Ritual, das auch heute noch von den Hawaiianern angewendet wird, um Streitigkeiten beizulegen, Frieden zu stiften, aber auch, um einen Genesungsprozeß zu unterstützen. Denn die Hawaiianer haben– ebenso wie z.B. auch die Polynesier – schon früh erkannt, dass Ärger, Wut und nicht beseitigte zwischenmenschliche Probleme uns über kurz oder lang krankmachen können. Daher sorgen sie dafür, dass Differenzen so schnell wie möglich und gründlich aus der Welt geschafft werden, damit sie sich nicht festsetzen und zu einem hartnäckigen Problem werden.

Es ist aber nie so, dass eine Person auf der Anklagebank sitzt und beschuldigt wird. Also es geht nie nur in eine Richtung. Sondern das Ho-oponopono erfolgt immer wechselseitig, um eine harmonische Balance wiederherzustellen. Das heißt, die beiden beteiligten Seiten besprechen den Konflikt gleichberechtigt. Jeder kommt zu Wort und kann seine Sichtweise vortragen, und das auf einer möglichst sachlichen Ebene. Wird jemand emotional oder droht das Ganze zu eskalieren, dann schreitet ein Mediator ein und glättet die Wogen. Wenn sich dann alle ausgesprochen haben, erfolgt am Ende das Vergebungsritual, in dem sich beide Seiten gegenseitig vergeben, einander annehmen und sich danken.

Ich finde, das ist eine ziemlich moderne und wunderschöne Art, um Konflikte aus der Welt zu schaffen. Davon können wir uns bestimmt ein Scheibchen abschneiden. Aber das Ho-oponopono ist nicht nur für Gemeinschaften geeignet, sondern Du kannst es auch für Dich selbst anwenden und Dich dadurch selbst dabei zu unterstützen, Dich von inneren Konflikten oder von der Wut auf andere zu befreien. Und das kannst Du tun, indem Du sowohl dem anderen oder auch der Situation als auch Dir selbst vergibst. Z.B. indem Du sagst: Ich vergebe Dir – ich vergebe mir – ich liebe Dich – ich liebe mich. Dankeschön!

Du mußt es fühlen, damit es wirkt

Es reicht natürlich nicht, es nur zu sagen, Du solltest es natürlich auch fühlen und dazu bereit sein, etwas zu vergeben oder jemandem zu vergeben. Aber wenn Du dann soweit bist und diese Worte aussprichst, dann kann das sehr magisch sein. Weil – die Erfahrung habe ich zumindest gemacht – wenn Du etwas laut aussprichst, bekommt es eine ganz andere Bedeutung als wenn Du es nur denkst. Und auch wenn es mir am Anfang – sag ich ganz ehrlich – nicht leicht gefallen ist, bzw. mir anfangs etwas komisch vorkam, das Ho-oponopono zu sprechen. So merkte ich doch, dass das etwas mit mir machte. Dass sich etwas in mir veränderte und löste. Und ja, vielleicht kommt Dir das jetzt auch etwas komisch vor, wenn ich das so sage, aber es tut nicht weh, das einmal auszuprobieren. Ich für mich kann nur sagen, ich bin froh, dass ich meine Vorurteile beiseite gelassen und es einfach mal ausgetestet habe. Denn: Vergebung ist nie leicht. Aber Du kannst es Dir eben erleichtern, z.B. durch solche Rituale. Und ehrlich gesagt, wenn ein Hooponopono seit so langer Zeit funktioniert und die Menschen dadurch offensichtlich glücklicher und zufriedener sind und harmonischer zusammenleben. Dann kann es eigentlich nicht ganz verkehrt sein, oder?

Mir hat es auf jeden Fall gut getan. Und ich wende es jetzt immer an, wenn sich die entsprechende Gelegenheit dazu bietet. Ich fühle mich dadurch befreiter und leichter. Und das Schöne am Ho-oponopono ist, dass Du nicht nur dem anderen vergibst, sondern auch Dir selbst. Denn es ist ja meist so, wie ich es gerade schon einmal angedeutet habe. Dass Du Dir selbst schadest, wenn Du voller Wut bist. Deshalb ist es wichtig, dass Du nicht nur dem anderen vergibst, sondern eben auch Dir selbst. Nämlich, dass Du Dir verzeihst, so wütend gewesen zu sein und Dir damit vielleicht auch geschadet hast. Denn: das habe ich in der Arbeit sowohl mit meinen Patienten als auch mit meinen Coachingklienten häufig gesehen: Unbändige Wut auf andere entspringt meist grenzenloser Wut auf sich selbst.

Wut auf andere entspringt häufig fehlender Selbstliebe

Ich habe nie einen Menschen erlebt, der – wenn er mit sich im Reinen war und sich selbst akzeptieren und lieben konnte – eine so unbändige Wut auf andere Menschen oder Ereignisse hatte. Das habe ich immer nur bei Menschen erlebt, die sich selbst nicht leiden konnten. Umgekehrt aber, wenn diese Menschen lernten, sich selbst zu akzeptieren und zu lieben und zu wertschätzen, fiel es ihnen auf einmal sehr leicht zu vergeben. Ganz zu schweigen davon, dass sie sich auf diese Weise auch vieler ihrer Beschwerden entledigen konnten. Denn Haß ist wie eine giftige Flamme, die Dich von Innen heraus verzehrt. Aber mit Selbstliebe und Vergebung kannst Du sie löschen.

In diesem Sinne danke ich Dir, dass Du heute dabei und mein Gast warst. Wenn Dir die heutige Episode gefallen hat, dann teile sie doch gerne mit Deiner Familie und Deinen Freunden und laß mir eine kurze Bewertung da. Darüber würde ich mich riesig freuen!

Wenn Du jetzt das Gefühl hattest, dass ich von Dir spreche bzw. dass ich vielleicht genau der richtige Ansprechpartner für Deine gegenwärtigen Herausforderungen sein könnte, dann trage Dich hier für ein kostenloses und völlig unverbindliches Coaching-Erstgespräch ein. Dabei können wir dann gemeinsam herausfinden, wie ich Dir am besten helfen kann, damit Du ein unbeschwertes, glückliches und kraftvolles Leben führen kannst. Ein Leben, in dem Du Dein volles Potenzial entfaltest.

Also: ich freu mich, wenn wir uns bald persönlich sprechen. Bis dahin wünsche ich Dir einen fantastischen Tag – wo auch immer Du grad bist!

Und vergiß nicht: Du bist göttlich!

Deine Doro

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